Anstoß für mobiles Fernsehen über DVB-H kommt erst nach Fußball-EM

Der Traum von mobilem Fernsehen im Standard DVB-H zur Fußball-Europameisterschaft 2008 scheint ausgeträumt. Henrik Rinnert, Geschäftsführer der Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH, hält maximal einen eingeschränkten Sendebetrieb in einigen Städten für möglich. „Es wird ein Softlaunch. Die Zeit für einen großen kommerziellen Start ist viel zu knapp“, sagte er beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am Mittwoch in Leipzig.Der Traum von mobilem Fernsehen im Standard DVB-H zur Fußball-Europameisterschaft 2008 scheint ausgeträumt. Henrik Rinnert, Geschäftsführer der Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH, hält maximal einen eingeschränkten Sendebetrieb in einigen Städten für möglich. „Es wird ein Softlaunch. Die Zeit für einen großen kommerziellen Start ist viel zu knapp“, sagte er beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland am Mittwoch in Leipzig.

Die Schuldfrage konnten die Podiumsvertreter nicht endgültig beantworten. Und dennoch stand zumindest für Emil Kettering, Leiter Hauptabteilung Unternehmensplanung & Medienpolitik beim ZDF, fest: „Der Ball liegt jetzt bei den Landesmedienanstalten.“ Diese müssten die für DVB-H notwendigen Frequenzen genehmigen. Seiner Einschätzung nach, wird sich Handy-TV aber in den nächsten Jahren durchsetzen, der Technologiestandard sei allerdings offen. DVB-H (Digital Video Broadcasting-Handhelds) ist ein Übertragungsstandard, mit dem digitale Rundfunkprogramme über kleine oder mobile Geräte empfangen werden können. Gegenüber bisherigen Übertragungstechnologien wie DVB-T bietet DVB-H unter anderem eine höhere Bildqualität, mehr Interaktionsmöglichkeiten und einen besseren Empfang.

Für Manfred Neumann, Senior Manager Mobile Services SevenOne Intermedia, ist nicht der Startzeitpunkt von DVB-H die entscheidende Frage, sondern die Akzeptanz am Markt. „Der Fokus muss darauf liegen, dass sich die Endgeräte verkaufen. Wenn Nokia nicht mit an Bord ist, wird man keine große Reichweite finden“, sagte er. Außerdem verstünden nur die wenigsten Endkunden den Unterschied zwischen DVB-T, DVB-H und UMTS. „Das momentane Wirrwarr macht mobiles Fernsehen für den Endkunden nicht gerade interessanter. Wir sollten uns daher mehr über die Inhalte Gedanken machen“, appellierte er.

Stefan Bielau vom jüngst neu gestarteten Anbieter „dailyme.tv“ hat dies getan und bietet personalisiertes Fernsehen für die Westentasche zum Nulltarif. Jeder kann sich sein Programm individuell aus den großen Marken zusammenstellen und sendezeitunabhängig abrufen. DVB-H und DVB-T sind nach Bielaus Gusto „schwer verdauliche und überteuerte Fünf-Gänge Menüs, während dailyme.tv ein Schokoriegel zum Mitnehmen ist“.

Doch auch die ARD denkt über neue Formate fürs mobile Fernsehen nach, wie der zuständige Koordinator für den Bereich Digitales Fernsehen, Michael Albrecht, erzählte. Erstes Beispiel ist die Tagesschau im 100-Sekunden-Format. „Nicht alles, was auf einem Flatscreen geht, funktioniert auch im Handy-TV“, sagte er. Und Manfred Neumann ergänzte: „Mit der neuen Programmierung stehen wir erst am Anfang. Aber auch die Kunden lernen erst, was mobiles Fernsehen ist.“ Er ist überzeugt, dass spätestens 2013 ein lineares Programm ausgedient habe. Bielau rechnet im gleichen Zeitraum damit, dass sich das Handy als dritter Bildschirm neben Computer und Fernsehen etabliert haben wird.

Um dieses euphorische Zukunftsszenario zu gewährleisten, dürfen aber nicht die gleichen Fehler wie bei der Einführung von DMB gemacht werden, kritisierte Rinnert. „Für DMB gab es keine Unterstützter, weder bei den Endgeräteherstellern noch im Mobilfunkmarkt. Bei den Content-Lieferanten gab es Interesse, aber es fehlte die Infrastruktur.“

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